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Grundlagen · Typenschlüssel

IC-Typenbezeichnungen entschlüsseln

MSP3400C, VPC3215C, HAL320UA: Diese Bezeichnungen sind kein Zufallsgenerator. Wer die vier Bestandteile kennt, erkennt Funktion, Generation und Gehäuse, bevor er das Datenblatt öffnet.

Stand: 03. August 2026 Wissen

Eine Typenbezeichnung wie VPC3215C wirkt beim ersten Blick wie eine Lagernummer. Tatsächlich steckt eine Systematik darin, und die verrät einiges, bevor man das erste Datenblatt geöffnet hat.

Die vier Bestandteile

BestandteilBeispiel VPC3215CBedeutung
PräfixVPCFunktionsgruppe: Video Processor
Familiennummer32Baureihe innerhalb der Gruppe
Variantenziffern15konkrete Ausstattungsvariante
SuffixCGeneration, Technologiestufe oder Gehäuse

Diese Aufteilung ist nicht bei jedem Hersteller identisch, aber innerhalb der Freiburger Consumer- und Sensorlinien konsistent genug, um damit zu arbeiten.

Präfixe der Consumer-Linie

Das Präfix ist die schnellste Information: Es sagt, wo im Signalweg der Baustein sitzt.

PräfixFunktionsgruppe
CCU / CCZCentral Control Unit, Gerätesteuerung
VPCVideo Processor, analoges Video-Frontend
VPXVideo Pixel Decoder
VDPVideo-, Display- und Ablenkprozessor
DDPDisplay- und Ablenkprozessor
CIPComponent Interface Processor
PIPPicture-in-Picture-Prozessor
MSPMultistandard Sound Processor
MASMPEG-Audiodecoder
DPLDolby-Pro-Logic-Prozessor
DRPDigital Radio Processor
CAPCar Audio Processor
HALHall-Sensor

Die vollständige Zuordnung mit den einzelnen Typen steht in der DIGIT3000-Übersicht.

Die wichtigste Verwechslungsfalle steht schon in dieser Tabelle: VPC und VPX unterscheiden sich um einen Buchstaben und sind völlig verschiedene Bausteine. Ein VPX3220A ersetzt keinen VPC3200A.

Variantenziffern lesen

Innerhalb einer Baureihe kodieren die letzten Ziffern die Ausstattung. Bei der VPC-Reihe lässt sich das gut nachvollziehen:

  • VPC320xA sind die 50-Hz-Single-Scan-Versionen. Sie steuern Display und Ablenkung des DDP3300A an.
  • VPC321xA sind die 100-Hz-Double-Scan-Versionen mit line-locked Taktausgang und PAL+-Vorverarbeitung.

Die Ziffer an der vorletzten Stelle trägt also die Information über die Abtastung. Die Details der einzelnen Varianten stehen unter VPC3200A und die VPC-Familie.

Ein x in der Bezeichnung, etwa MSP34xx oder VPC32xxA, ist ein Platzhalter des Herstellers für die ganze Untergruppe. In einem Text bedeutet das: Die Aussage gilt für alle Varianten, nicht für ein bestimmtes Teil.

Suffix: Generation oder Gehäuse

Hier trennen sich die beiden Linien.

Consumer-ICs: Generation. Der MSP3400C ist die 0,8-µm-Version des MSP3400 in 1,0 µm. Der Buchstabe C markiert die Technologiestufe, nicht das Gehäuse. Bei den Videoprozessoren markiert er die Kammfilter-Generation: A-Typen mit adaptivem 2H-Kammfilter, C-Typen mit adaptivem 4H-Kammfilter.

Hall-Sensoren: Gehäuse. Bei der HAL-Reihe steht der Suffix für die Bauform:

SuffixGehäuse
SOSOT-89A, SMD
SFSOT-89B, SMD
UATO-92UA, bedrahtet

HAL320UA und HAL320SO sind derselbe Chip in unterschiedlichen Gehäusen. Bei der Bestellung ist der Suffix damit Pflicht, nicht Zierde. Die Sensorreihen im Einzelnen stehen unter HAL300 und HAL320, HAL400 und HAL401 und HAL556 und HAL566.

Was die Bezeichnung nicht sagt

Drei Dinge lassen sich aus der Typenbezeichnung nicht ableiten:

Pinkompatibilität. Ähnliche Nummern sind ein Hinweis, keine Zusage. MSP3400C und MSP3410 sind pin- und softwarekompatibel, obwohl sich die Nummern unterscheiden. Umgekehrt sind VPC3200A und VPC3205C benachbart benannt, unterscheiden sich aber in Kammfilter und Zahl der CVBS-Eingänge.

Funktionsgleichheit. Der MSP3410 kann NICAM, der MSP3400C nicht. Die Nummern liegen dicht beieinander, das Leistungsmerkmal fehlt trotzdem.

Verfügbarkeit von Nachfolgetypen. Eine höhere Nummer ist kein Ersatzteil.

Wie sich stattdessen ein Ersatz finden lässt, steht unter Alte ICs ersetzen. Und welche Aussagekraft die Kennwerte im zugehörigen Datenblatt haben, klärt Datenblätter richtig lesen.

Aufdruck auf dem Bauteil

Der Aufdruck auf dem Gehäuse entspricht nicht immer exakt der Bezeichnung im Datenblatt. Bei kleinen Gehäusen fehlt der Platz, sodass Kurzcodes verwendet wurden. Bei einem TO-92 mit drei Zeichen Aufdruck hilft nur der Abgleich mit dem Schaltplan des Geräts oder mit einer Bestückungsliste.

Ist der Aufdruck lesbar, aber nicht zuzuordnen, lohnt der Blick auf die Position im Gerät: Ein Dreibeiner an einer rotierenden Welle ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hall-Schalter, unabhängig davon, was auf ihm steht.