Halbleiterfertigung in Freiburg – eine Einordnung
Wer sich mit den Bausteinen in diesem Archiv beschäftigt, stößt früher oder später auf die Frage, warum ausgerechnet die Tonverarbeitung europäischer Fernsehgeräte aus einer Stadt am Rand des Schwarzwalds kam. Die Antwort ist eine Kette von Firmenübernahmen, und sie erklärt auch, warum in den Unterlagen mehrere Namen nebeneinander auftauchen.
Der Standort Freiburg
In Freiburg im Breisgau, Hans-Bunte-Straße 19, saß eine Halbleiterentwicklung und -fertigung mit klarem Schwerpunkt: integrierte Schaltkreise für Unterhaltungselektronik und, in zweiter Linie, für die Automobilindustrie. Das ist ungewöhnlich spezialisiert. Während andere Häuser breit aufgestellt waren, entstanden hier vor allem signalverarbeitende Bausteine für Fernsehgeräte, Satellitenempfänger und Videorekorder.
Aus diesem Schwerpunkt erklärt sich der Zuschnitt der Produktlinien: Tonprozessoren der MSP-Reihe, Videoprozessoren der VPC-Reihe, Display- und Ablenkprozessoren, Zentralsteuereinheiten. Die vollständige Aufstellung steht in der DIGIT3000-Übersicht.
Die Übernahme 1997
Parallel dazu war seit Ende der 1980er ein Unternehmen entstanden, das später den Standort übernehmen sollte. Die dokumentierten Etappen:
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Mai 1989 | Gründung der Crosstech Engineering AG in der Schweiz |
| Juli 1992 | Übernahme der Micronas Oy in Finnland |
| September 1994 | Betriebsaufnahme des Testzentrums MICRONAS Ltd in Schottland |
| März 1996 | Notierung der MICRONAS Semiconductor Holding AG an der Börse Zürich |
| Juni 1997 | Eröffnung eines Design-Centers in Lincoln, England |
| Oktober 1997 | Übernahme der INTERMETALL GmbH, Freiburg |
Nach der Übernahme im Oktober 1997 firmierte der Standort als MICRONAS INTERMETALL GmbH. Genau das ist der Grund für die Doppelnennungen in den Unterlagen dieser Zeit: Datenblätter, Pressemitteilungen und Webseiten tragen mal den einen, mal den anderen Namen, teils beide nebeneinander.
Warum die Namensfrage praktisch relevant ist
Für die Recherche nach einem alten Datenblatt ist das keine Fußnote, sondern der entscheidende Punkt. Ein und derselbe Baustein taucht je nach Ausgabedatum unter unterschiedlichen Firmierungen auf. Wer nur unter einem Namen sucht, findet einen Teil der Dokumente nicht.
Praktisch heißt das: Bei der Suche nach Unterlagen zu einem Typ lohnt es sich, die reine Typenbezeichnung als Suchbegriff zu verwenden und die Firmierung wegzulassen.
Die zwei Produktwelten
Der Standort bediente zwei sehr unterschiedliche Märkte, und das prägt bis heute, wie die Bausteine dokumentiert sind.
Consumer. Hochintegrierte Signalverarbeitung, meist als Preliminary-Datenblatt dokumentiert, oft mit Varianten für unterschiedliche Fernsehnormen und Bildwiederholraten. Diese Bausteine gingen an Gerätehersteller, nicht an den freien Markt. Entsprechend knapp fällt die Applikationsdokumentation aus.
Automotive und Sensorik. Die CMOS-Hall-Sensoren der HAL-Reihe. Deutlich anders zugeschnitten: einfachere Bausteine, dafür mit einem Temperaturbereich bis 150 Grad Celsius, Verpol- und Überspannungsschutz und ausführlich beschriebenen Kompensationsverfahren. Diese Blätter sind bis heute die besser lesbaren. Der Einstieg dazu steht unter Hall-Sensoren.
Ein Baustein, der es in die Öffentlichkeit schaffte
Die meisten dieser ICs kannten nur Entwickler bei Gerätehersteller. Eine Ausnahme ist der MAS3507D, der MPEG-1/2-Layer-2/3-Decoder. Er sitzt in einer Reihe früher tragbarer Abspielgeräte und ist damit der einzige Typ dieser Familie, dessen Name auch außerhalb der Branche zirkuliert.
Technisch ist er ein gutes Beispiel für das Profil des Standorts: Ein-Chip-Lösung, eingebettete Speicher, integrierter Aufwärtswandler, Betrieb ab 1,0 V. Nicht die höchste Rechenleistung, sondern die vollständigste Integration bei minimalem Leistungsbedarf.
Heute
Die hier dokumentierten Typen sind seit Langem abgekündigt. Wer sie braucht, ist auf Restbestände, gebrauchte Bauteile aus Altgeräten oder auf einen elektrisch gleichwertigen Ersatz angewiesen. Wie man dabei vorgeht, steht unter Alte ICs ersetzen.
Dieses Portal ist ein redaktionelles Archiv und dokumentiert die technischen Eigenschaften dieser Bausteine. Es besteht keine Verbindung zu den genannten Unternehmen oder ihren Rechtsnachfolgern; Typenbezeichnungen und Marken gehören ihren jeweiligen Inhabern.