MSP3400C – Multistandard Sound Processor
Der MSP3400C gehört zu den Bausteinen, die man in fast jedem europäischen Fernsehgerät der 1990er findet, ohne dass sie je auf der Verpackung standen. Er ersetzte eine ganze Baugruppe: Ton-ZF-Verstärker, Demodulator, Filterkette, Stereodecoder und Klangregelung schrumpften auf einen einzigen integrierten Schaltkreis in 0,8-µm-CMOS-Technik.
Was der Baustein leistet
Der MSP3400C ist als Ein-Chip-Sound-Prozessor für analoge und digitale Fernsehgeräte, Satellitenempfänger und Videorekorder ausgelegt. Die gesamte Tonverarbeitung läuft im Chip ab: analoges Ton-ZF-Signal hinein, aufbereitetes NF-Signal heraus.
Das ist der eigentliche Sprung gegenüber dem Vorgänger MSP2400. Der MSP3400C braucht keine externen Filter mehr. Demodulation und Filterung erfolgen vollständig auf dem Chip und sind einzeln programmierbar. Als Taktquelle genügt ein Quarz mit 18,432 MHz.
Eckdaten MSP3400C
- zwei umschaltbare Analogeingänge (TV- und SAT-ZF-Quelle)
- Eingangsbereich der automatischen Verstärkungsregelung: 0,14 bis 3 Vpp
- integrierter A/D-Wandler für die Ton-ZF-Eingänge
- FM-Mono mit hohem Hub, maximal etwa ±360 kHz
- Trägerpegelmessung für automatische Suchlaufalgorithmen
- 0,8-µm-CMOS, kein externes Filterhardware nötig
Demodulation: was geht und was nicht
Der Baustein demoduliert FM-Mono-Fernsehton und Zweiträger-FM-Systeme nach deutscher oder koreanischer terrestrischer Spezifikation. AM-Demodulation nach SECAM ist mit Einschränkungen ebenfalls möglich. Alternativ lassen sich die Satelliten-Spezifikationen verarbeiten.
Interessant ist die AM-Demodulation im Satellitenbetrieb aus einem zweiten Grund: Sie liefert die Feldstärke des Trägers als Messwert. Genau darauf setzen automatische Suchlaufverfahren auf, ebenso die Trägerstummschaltung. Wer bei einem alten Sat-Receiver einem hängenden Suchlauf nachgeht, landet also durchaus beim Tonprozessor und nicht zwingend beim Tuner.
Die DSP-Sektion
Hinter dem Demodulator sitzt ein digitaler Signalprozessor, der deutlich mehr kann, als ein reines Klangstellglied vermuten lässt:
- freie Auswahl der zu verarbeitenden Audioquellen
- digitale Ein- und Ausgänge über I²S-Bus für externe DSPs, Surround-Prozessoren oder ADR
- digitale Schnittstelle zur Verarbeitung von Astra Digital Radio zusammen mit dem DRP3510A
- sämtliche Deemphasis-Verfahren einschließlich des adaptiven Wegener Panda 1, ohne externe Bauteile
Der letzte Punkt ist der Grund, warum der MSP-Familie in Sat-Receivern so viel zugetraut wurde: Adaptive Deemphasis ohne Zusatzbeschaltung war zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich.
MSP3400C, MSP3400 und MSP3410 auseinanderhalten
Die Typenbezeichnungen liegen dicht beieinander und werden bis heute verwechselt.
| Typ | Technologie | NICAM | Kompatibilität |
|---|---|---|---|
| MSP3400 | 1,0 µm | nein | Basis der Familie |
| MSP3410 | 1,0 µm | ja | pin- und softwarekompatibel |
| MSP3400C | 0,8 µm | nein | pin- und softwarekompatibel zu MSP3400 und MSP3410 |
Der MSP3400C ist also der geschrumpfte MSP3400 ohne NICAM. Er ist voll pin- und softwarekompatibel zu den 1,0-µm-Vorgängern. Ein wichtiger Hinweis aus dem Datenblatt: Um die Funktionen von MSP3400 und MSP3410 zu erreichen, müssen die Ladesequenzen so programmiert werden, wie es das Datenblatt des MSP3410 beschreibt. Wer stattdessen die naheliegende Sequenz verwendet, bekommt ein Gerät, das scheinbar grundlos stumm bleibt.
Mehr zu solchen Buchstabensuffixen steht unter IC-Typenbezeichnungen entschlüsseln.
Gehäusevarianten
Der MSP3400C wurde in PLCC68, PSDIP64, PSDIP52 und PQFP80 geliefert. Das ist beim Ersatzteilkauf relevant: Die Typenbezeichnung allein sagt nichts über die Bauform, und die Pinbelegung unterscheidet sich zwischen den Gehäusen. Vor einer Bestellung lohnt der Blick auf den Gehäusesuffix des tatsächlich verbauten Teils.
Zur ESD-Empfindlichkeit gab es eine eigene Application Note. Der Baustein ist in dieser Hinsicht nicht besonders robust, was bei Reparaturen an alten Chassis mitgedacht werden sollte.
Einordnung im Gesamtsystem
Der MSP3400C war kein Einzelgänger. Er gehört in das Umfeld der Consumer-IC-Familie, die auch die Videoseite abdeckte: Videoprozessoren wie der VPC3200A, Display- und Ablenkprozessoren, Zentralsteuereinheiten. Wie diese Bausteine zusammenspielten, beschreibt die Übersicht zum DIGIT3000-Chipsatz.
Wer heute an einem Gerät aus dieser Zeit arbeitet, findet die vollständigen Kennwerte nur im Originaldatenblatt. Worauf man dabei achten sollte, steht unter Datenblätter richtig lesen.