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Video-IC · PLCC68 / PQFP80

VPC3200A – Comb-Filter-Videoprozessor

Vier Buchstaben, ein Dutzend Varianten: Die VPC-Familie war das digitale Video-Frontend im Fernsehgerät. Welche Variante was kann, woran man 50- und 100-Hz-Typen unterscheidet und warum die Kammfilter-Option das entscheidende Merkmal ist.

Stand: 03. August 2026 IC-Bausteine

Wer ein Fernsehchassis aus der zweiten Hälfte der 1990er öffnet, findet mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Baustein aus der VPC-Reihe. Die Abkürzung steht für Video Processor, und die Familie deckte das komplette analoge Video-Frontend ab: von den CVBS-Eingängen bis zum digitalen Ausgabesignal an den nachgelagerten Display-Prozessor.

Volldigitales Frontend

Die VPC32xx-Videoprozessoren sind hochwertige Ein-Chip-Video-Frontends für 4:3- und 16:9-Geräte mit 50/60 Hz oder 100/120 Hz. Sie lassen sich mit anderen Mitgliedern der DIGIT3000-Familie kombinieren, etwa dem CIP3250A, dem DDP3300A oder dem TPU3040, funktionieren aber auch mit Bausteinen anderer Hersteller.

Die Verarbeitung erfolgt durchgehend digital. Auf dem Chip sitzen hochwertige A/D-Wandler mit den zugehörigen Klemm- und Regelschaltungen, sodass das analoge Eingangssignal direkt am Baustein digitalisiert wird.

Kernmerkmale der VPC32xx-Reihe

  • volldigitale Videoverarbeitung
  • Mehrnormen-Farbdecoder PAL/NTSC/SECAM inklusive aller Substandards
  • Mehrnormen-Synchronverarbeitung
  • lineare horizontale Skalierung von 0,25 bis 4, dazu nichtlineare Skalierung („Panorama Vision”)
  • ein Quarz mit 20,25 MHz, wenige externe Bauteile
  • I²C-Bus-Schnittstelle
  • Submikron-CMOS, 68-poliges PLCC-Gehäuse

Die Varianten auseinanderhalten

Das eigentliche Thema bei der VPC-Familie ist nicht die Grundfunktion, sondern die Frage, welche der Varianten man vor sich hat. Vier Merkmale unterscheiden sie:

TypKammfilterAbtastungPAL+-Vorverarbeitungline-locked Taktausgang
VPC3200A2H adaptiv50 Hz / Single Scanneinnein
VPC3201A2H adaptiv50 Hz / Single Scanneinnein
VPC3210A2H adaptiv100 Hz / Double Scanjaja
VPC3211A2H adaptiv100 Hz / Double Scanneinja
VPC3205C4H adaptiv50 Hz / Single Scanneinnein
VPC3215C4H adaptiv100 Hz / Double Scanjaja

Die Systematik dahinter: Die 50-Hz-Single-Scan-Versionen (VPC320xA) übernehmen die Ansteuerung für Bildlage sowie Vertikal- und Ost-West-Ablenkung des DDP3300A. Die 100-Hz-Double-Scan-Versionen (VPC321xA) haben stattdessen eine Schnittstelle mit line-locked Taktausgang und die Option zur PAL+-Vorverarbeitung.

Beim Kammfilter unterscheiden sich die Baureihen deutlich: Die C-Typen bringen einen adaptiven 4H-Kammfilter zur Y/C-Trennung mit einstellbarem vertikalem Peaking mit, die A-Typen einen adaptiven 2H-Kammfilter. Das ist ein hörbarer, beziehungsweise sichtbarer Unterschied bei Cross-Colour-Artefakten.

Auch die Zahl der Eingänge weicht ab: Die C-Varianten haben vier CVBS-Eingänge, die A-Varianten drei. Dazu kommen jeweils ein S-VHS-Eingang und ein CVBS-Ausgang.

Die D-Generation

Mit VPC323xD und VPC324xD folgte eine spätere Generation im 80-poligen PQFP-Gehäuse, ergänzt um eine Komponentenschnittstelle und Picture-in-Picture. Die Systematik bleibt gleich: Die 50-Hz-Single-Scan-Versionen (VPC324xD) steuern Display und Ablenkung des DDP3300A, die 100-Hz-Double-Scan-Versionen (VPC323xD) liefern den line-locked Takt und die PAL+-Vorverarbeitung.

Wichtig für die Praxis: Für diese Generation lagen nur „Advance Information”-Dokumente vor, keine finalen Datenblätter. Was das für die Verlässlichkeit der Kennwerte bedeutet, ist unter Datenblätter richtig lesen beschrieben.

VPC ist nicht VPX

Eine häufige Verwechslung, die beim Ersatzteilkauf Geld kostet: Neben der VPC-Reihe gab es die VPX-Reihe, die Video Pixel Decoder. VPX3214C, VPX3216B, VPX3220A, VPX3224D und VPX3225D sind eigenständige Bausteine mit anderer Aufgabe, kein Ersatz für einen VPC. Der VPX3225D brachte zusätzlich einen Teletext-Decoder mit.

Wie sich solche Buchstabengruppen systematisch lesen lassen, steht unter IC-Typenbezeichnungen entschlüsseln.

Einordnung im Chassis

Der Videoprozessor ist nur ein Baustein in einer Kette. Erst zusammen mit Zentralsteuereinheit, Display- und Ablenkprozessor und dem Tonprozessor ergibt sich das Gerät. Diese Kette beschreibt die Übersicht zum DIGIT3000-Chipsatz; die Tonseite übernimmt in der Regel der MSP3400C.